Antwort auf einen offenen Brief

"Ein trauriger Meridian möchte Dich weiterhin als Freund haben"

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Rosenheim - Am Dienstag veröffentlichte ich einen offenen Brief an den Meridian. Jetzt meldete sich der Regionalzug zu Wort und schickte eine "traurige" Antwort:

Am Dienstag veröffentlichte ich, Social Media Redakteurin und selbst Pendlerin, einen offenen Brief an den Meridian. In diesem erklärte ich dem Regionalzug, wieso wir beide wohl keine Freunde mehr werden - ständig wechselnde Baustellen-Fahrpläne und regelmäßige Verspätungen waren zwei der Gründe, die ich nannte. Die Reaktionen auf meinen offenen Brief hin waren zwiegespalten: Eine Riege, die die Deutsche Bahn als Schuldfaktor bezeichnete, nicht aber den Meridian. Die andere Gruppe der Leser, die sich gegen den Meridian aussprach. Und auch das Unternehmen selbst reagierte auf meinen Freundschafts-Abbruch. In einem Brief mit dem Betreff "Ein trauriger Meridian möchte Dich weiterhin als Freund haben" erklärt der Regionalzug selbst, was denn nun eigentlich alles schief gelaufen ist - und gibt dem "Onkel, der die Eisenbahnstrecken zum Spielen verteilt" die Schuld an der Gesamtsituation. 

Hier lesen Sie die komplette Antwort des Meridian:

Liebe Pendlerin, 

Freunde erzählen Freunden die Wahrheit, daher glaube ich, dass wir irgendwie doch Freunde geworden sind. Und Freunde stehen zu einem, wenn die Not groß ist. Bei mir ist gerade die Not ziemlich groß. Ich darf nicht dahin fahren, wo ich hinmöchte. Mein Onkel, der die Eisenbahnstrecken zum Spielen verteilt, hat da wo ich fahre leider noch ganz viel altes Spielzeug, was ständig kaputt ist. Dann stehe ich vor einem Signal, einer kaputten Weiche, dann wird gebaut und ich komme nicht voran. Dabei fahre ich schneller als Autos und bei mir kann man lesen während der Fahrt. Bei mir sind so nette Helfer an Bord, die wollen Dich pünktlich und freundlich ans Ziel bringen. Ich strahle so schön blau mit etwas grau, werde aber von dunklen dreckigen Bekannten mit Stahlkisten einfach zur Seite gedrängt. Warum hat mir mein Onkel noch nicht gesagt. 

Man sagt zu uns ja in der Tat Eisenbahnerfamilie. Familie kann man sich nicht aussuchen. Freunde hingegen schon, ich hätte Dich gerne weiterhin als Freundin. Bei Freundschaften ist Verzeihen finde ich ganz wichtig. Ich bitte Dich um Verzeihung, auch wenn es mir eigentlich eine Freude ist, wenn ich Dich lange bei mir habe. Aber ich verstehe, dass Du auch zu anderen Freunden und in die Arbeit möchtest. Und dabei bin ich dann Dein Freund: Ich helfe Dir sehr gerne dabei, andere Freunde und Kollegen von Dir zu treffen. 

Freundschaft ist auf die Vergangenheit und auf die Zukunft ausgerichtet: Lass uns in Zukunft Freunde werden und bleiben, ich habe Dich gerne bei mir. Leider kann ich nur schwer zu Dir kommen, daher bitte ich Dich, komm einfach wieder zu mir und wir reden über alles. 

Viele Grüße und bis bald 

Dein Meridian

Eine zweite Chance für die Freundschaft?

Schon der französische Schriftsteller Jean de La Bruyère wusste: "Man kommt in der Freundschaft nicht weit, wenn man nicht bereit ist, kleine Fehler zu verzeihen." Die Reaktion des Meridian hat mich positiv überrascht - und ich hoffe für die zahlreichen Pendler und Schüler, dass sich die Situation auf den Gleisen ab Dienstag, den 10. Mai, langfristig verändern wird. Zumindest so hat es der Meridian vorgesehen

bp

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa 

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