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Verschwörung und die Sündenbock-Theorie

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Sollte hier etwas vertuscht werden? Am Donnerstagmittag machte der französische Staatsanwalt Brice Robin in einer Pressekonferenz den Ermittlungsstand öffentlich - mit einer erschütternden These zur Absturzursache.

Auf Facebook und Twitter bestimmen sie die Diskussion: Verschwörungstheoretiker glauben, dass Airbus die Wahrheit vertuschen will und der Co-Pilot zum Sündenbock gemacht wird. Ein Kommentar:

Auf Facebook und Twitter werden seit Donnerstag Tausende Kommentare zur Absturzursache abgegeben. Viele glauben nicht, dass wirklich ein einzelner Pilot mit Suizidabsicht dieses Unglück auslöste

Es ist dasselbe Muster wie bei allen Verschwörungstheorien: Die offizielle Wahrheit wird angezweifelt. Dass in unserer komplexen Welt Einzelpersonen so simpel Katastrophen auslösen können, ist vielen unvorstellbar.

Online-Redakteur Marcel Görmann wundert sich über die "Wahrheitssuche" im Netz.

Die Ausführungen des französischen Staatsanwalts Brice Robin über den Ermittlungsstand waren am Donnerstag überraschend weitreichend. Auch einige Luftfahrtexperten wie Andreas Spaeth fragen, ob sie nicht zu voreilig waren, weil solche Ermittlungen sich meist über Jahre hinziehen.  

Doch dass die offizielle These grundsätzlich als Lüge betrachtet wird, mit der etwas verheimlicht werden soll, passt in die Vertrauenskrise, die ein Teil der Bevölkerung in Bezug auf Presse, Justiz und Politik hat.

Vertuschung: Franzosen wird viel zugetraut

Viele im Netz glauben, dass technische Mängel des französischen Konzerns Airbus vertuscht werden sollen. Sogar Experte Spaeth warf diese gewagte Behauptung in der Sendung "Maybritt Illner" in den Raum. Der Co-Pilot soll aus Sicht vieler als Sündenbock herhalten, der sich nicht mehr wehren kann.

Den Franzosen traut man viel zu, um den eigenen Flugzeugkonzern zu schützen. Dass ein deutscher Pilot aber so eine Katastrophe verursacht haben könnte, erscheint dagegen unglaubwürdig. 

Ich kann mir schon vorstellen, welcher Einwurf nun an mich gerichtet wird: Als Journalist muss ich die Theorie der Ermittler kritisch hinterfragen, nicht einfach alles schlucken. Das ist richtig.

Doch: Viele der Kommentatoren und Verschwörungstheoretiker in den Sozialen Netzwerken hinterfragen gar nicht die offizielle These zum Unglück, sondern halten sie von vornherein für eine Lüge. Glauben selbst im Besitz der alleinigen Wahrheit zu sein.

Interessant ist, dass ausgerechnet viele dieser Kommentatoren den Medien verallgemeinernd vorwerfen, mit den Gefühlen der Angehörigen zu spielen, ihr Leid durch die Berichterstattung noch zu vergrößern. Was sie jedoch selbst damit auslösen, wenn solche Verschwörungstheorien in die Welt gepostet werden, scheinen sie nicht zu reflektieren.

verfasst von Marcel Görmann (marcel.goermann@ovb24.de)

Quelle: rosenheim24.de

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