"Richtig kochen" in Kindertagesstätten

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Beim Kochen zuschauen oder sogar selber kochen, so werden Weichen für eine gesunde Ernährung gestellt. Hier ein Bild aus dem Kindergarten Klaubautermann mit (von links) Erzieherin Patricia Calpin, Vroni und Ceyda.

Rosenheim - Wenn Kinder nur den Hamburger-Imbiss kennen oder daheim Fertig-Pizza essen, werden sie ihren Ernährungsstil später kaum ändern. Der Stadtrat will dem entgegenwirken.

Deshalb hat der Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrats beschlossen, neue Kindertagesstätten mit Küchen auszustatten, in denen "richtig gekocht" werden kann, auch wenn dies wesentlich teurer ist als andere Systeme.

Die Stadt baut derzeit eine Kindertagesstätte nach der anderen oder erweitert bestehende Einrichtungen. Vorgesehen waren dafür sogenannte "Aufbereitungsküchen". Als es im Ferienauschuss um den geplanten Anbau an den Kindergarten in der Aisingerwies ging, hatte der Stadtrat die Verwaltung beauftragt, das Verpflegungssystem noch einmal zu überprüfen. Das Immobilienmanagement der Stadt präsentierte nun im Hauptausschuss die unterschiedlichen Küchenformen mit ihren Vor- und Nachteilen.

In einer Aufbereitungsküche werden die Hauptspeisen in der Regel in einem Kombidämpfer zubereitet, dann tiefgefroren. Dafür eignen sich aber nicht alle Gerichte. Die Kosten für eine solche Küche, wie sie im Kindergarten in der Severinstraße in der Aisingerwies vorgesehen war, würden inklusive Planungskosten geschätzte 73500 Euro betragen.

In einer Mischküche hingegen lassen sich Gerichte zubereiten, zudem ist eine Ergänzung durch Tiefkühl- oder Fertigprodukte möglich. Es können sowohl frische Waren als auch vorgefertigte Produkte eingesetzt werden. Vor allem ist es auch möglich, den Kindern selbst den Kochlöffel in die Hand zu geben und sie am Zubereiten des Essens zu beteiligen. Die Kosten gegenüber der Aufbereitungsküche liegen um rund 23000 Euro höher.

Trotz dieser höheren Kosten entschied der Ausschuss, diese Variante sei für alle künftigen Kindertagesstätten zu wählen. "Ernährungsphysiologisch ist frisch Gekochtes einfach wertvoller", betonte CSU-Stadtrat Dr. Wolfgang Bergmüller, der dies als Lebensmittelchemiker auch aus fachlicher Sicht beurteilen kann.

Ernährungsphysiologie ist ein Zweig der Physiologie, der untersucht, in welcher Menge und Zusammensetzung Lebensmittel und Nährstoffe dem Organismus zugeführt werden müssen, damit er je nach Alter, Geschlecht und Lebensbedingungen optimal ernährt wird.

Dr. Beate Burkl, Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler/UP zeigte sich zwar zunächst skeptisch wegen der Kosten - man müsse ja auch mehr Personal einsetzen. Doch sie ließ sich nach einem flammenden Plädoyer von Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer überzeugen.

"Es ist ein ganz großer kultureller Verlust, wenn Kinder nicht mehr erleben, wie gekocht wird. Ich sehe es als unseren gesellschaftspolitischer Auftrag, dass ihnen in Kindertagesstätten vorgeführt wird, wie das geht", sagte sie. Viele Eltern oder Alleinerziehende seien heutzutge gezwungen, ihren Nachwuchs von 7 Uhr morgens bis 16 Uhr am Nachmittag zur Betreuung abzugeben.

Die Variante "Mischküche" wird vorerst bei den im Rahmen des Kinderkrippenprogramms neu zu bauenden Kindertagesstätten eingeführt. Nach Auskunft von Norbert Werner, Leiter des Zentralen Immobilienmanagements der Stadt, wird bei sanierungsbedürftigen Küchen im Bestand "sicherlich eine Orientierung an diesem Küchenstandard erfolgen."

Kindertagesstätten in Rosenheim verfügen heute größtenteils entweder über eine Aufwärmküche, in der fertig angeliefertes Essen warmgehalten wird oder über eine Aufbereitungsküche, wie sie zunächst auch für die Aisingerwies geplant war.

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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