Teil 2 unserer Serie zu Halloween

Experte: Das steckte hinter dem "Spuk von Rosenheim"

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In diesem Haus in der Königsstraße 13 in Rosenheim sollen monatelang Spuk-Phänomene aufgetreten sein. Für den Physiker und Psychologen Dr. Dr. Walter von Lucadou ist das nichts Ungewöhnliches.

Rosenheim - In einer Anwaltskanzlei in der Rosenheimer Innenstadt soll es vor rund 50 Jahren gespukt haben. Wir beleuchten den Fall näher.  

Am Samstag berichteten wir über den ungeklärten Spukfall von Rosenheim aus dem Jahren 1967/68. In einer Anwaltskanzlei in der Königsstraße löste offenbar die 19-jährige Anwaltsgehilfin Annemarie Schaberl unerklärliche Phänomene aus. Ist der Fall ein Beweis für PsychokineseWar hier ein Poltergeist am Werk?Oder war doch alles ein großer Schwindel? 

Wir haben bei Dr. Dr. Walter von Lucadou nachgefragt. Der Physiker und Psychologe leitet die fünfköpfige Parapsychologische Beratungsstelle der Wissenschaftlichen Gesellschaft zur Förderung der Parapsychologie in Freiburg im Breisgau. Er ist auch im deutschen Fernsehen ein gerne befragter Experte zu paranormalen Phänomenen. Die Beratungsstelle erhält als öffentliche Dienstleistung Zuschüsse vom Bundesland Baden-Württemberg.

Interview mit dem "Spuk-Experten"

Sehr geehrter Herr von Lucadou, wie bewerten Sie den "Rosenheimer Spuk" von 1967/68 heutzutage? 

Das Besondere am Rosenheimer Fall ist, dass hier ein großer Rechercheaufwand betrieben wurde von den Stadtwerken Rosenheim und durch Friedbert Karger vom Max-Planck-Institut. Das war ungewöhnlich für die Zeit. Aber eigentlich kann man sagen: Es war ein normaler Spuk. 

Ein "normaler Spuk" - was soll das bedeuten?

Bei persönlichen Krisensituationen bekommen manche Menschen als psychosomatische Reaktion Magenbeschwerden. Bei Spuk-Ereignissen geben die Betroffenen diesen Druck und Stress unbewusst nach außen ab. Sehr häufig Jugendliche in der Pubertät, etwa bei Schulproblemen. Oder Menschen, die einen Todesfall noch nicht verarbeiten konnten. Meine Hypothese für Spuk-Phänomene sind Superfluktuationen: Alle Moleküle eines Gegenstandes schaukeln in dieselbe Richtung und dadurch bewegt sich zum Beispiel eine Schublade wie von alleine. Wie genau das passiert, können wir nicht erklären, aber der Zusammenhang besteht eindeutig. Als Wissenschaftlicher habe ich nach all den Jahren akzeptiert, dass es so etwas gibt. Ich habe den Rosenheimer Fall nicht untersucht, kenne nur die Berichte von damals, aber so war es wohl auch bei der jungen Frau Annemarie Schaberl. 

Das heißt, der Spuk kommt von innen und hat nichts mit Poltergeistern zu tun? 

Geisterjäger und Exorzisten bringen da überhaupt nichts! Das lenkt nur ab und die Menschen machen sich keine Gedanken über ihre Probleme, die diese Phänomene auslösen. Die gute Nachricht: Die Spuk auslösenden Personen vermeiden eine psychosomatische Erkrankung. Die krankmachenden Verspannungen lösen sich nämlich und wirken sich nicht auf den Körper aus. Der Spuk ist deshalb nichts Schlimmes, davor muss man keine Angst haben. Er hilft auf Probleme hinzuweisen. Wenn man die Ursache findet, hört er auf. 

Wie helfen Sie in der Beratungsstelle Menschen, die über solche Spuk-Phänomene klagen? 

Wir bekommen jährlich bis zu 3000 Anfragen. Die Menschen rufen unsere Beratungsstelle an, nur selten fahren wir dann auch raus. Die Phänomene bewegen sich zumeist in einem bekannten Spektrum, da kann ich auf meine jahrzehntelange Erfahrung zurückgreifen. Natürlich klären wir vorher mögliche technische bzw. physikalische Ursachen oder Manipulationen durch andere ab, etwa Scherze von Nachbarn. Die Betroffenen sollen dann ein Spuk-Tagebuch führen und genau aufschreiben, wann und was passiert ist und wer mit ihnen im Raum war. Dann schicken sie uns das Tagebuch zu und wir analysieren, ob ein Muster erkennbar ist. Wir interpretieren, wo das Problem stecken könnte.  

Waren Sie selbst einmal von einem Spuk betroffen? 

Persönlich nicht, aber bei Untersuchungen vor Ort war ich schon Zeuge von solchen Spuk-Ereignissen. Bei einem Besuch bei einer betroffenen italienischen Familie flogen beispielsweise Steine durch die Wohnung. Ein Stein landete neben mir im Suppentopf, wobei ich ausschließen konnte, dass er von jemanden geworfen wurde. Die Familie war abergläubisch und darüber sehr verängstigt. Was mir dann auffiel, war die 14-jährige Tochter, die mit ihrer Rolle in der Familie unzufrieden war. Sie war die Fokusperson, die den Spuk auslöste. 

Nochmal zurück zum Rosenheimer Fall: Kam es denn bei der Anwaltsgehilfin Annemarie Schaberl in den Folgejahren noch zu weiteren Spuk-Vorfällen? 

Sie hat unter diesen Fall sehr leiden müssen. Es gab Hinweise, dass es im späteren Lebenslauf noch zu weiteren Vorfällen kam. Aber das ist normal bei Fokuspersonen und kommt häufiger vor. 

In dem Buch "Falsche Geister - Echte Schwindler" von Allan, Schiff und Kramer wurde 1969 die These vertreten, es hätte bewusste Manipulationen in der Anwaltskanzlei Adam gegeben. Der Spuk sei inszeniert gewesen. Es kam deswegen sogar zu einem Prozess am Landgericht Traunstein. 

Letztlich wurden in diesem Buch nur Behauptungen aufgestellt, während andere in der Kanzlei wirklich aufwendige Untersuchungen angestellt haben. Die Rosenheimer Stadtwerke und Friedbert Karger kamen zu dem Schluss, dass es Anomalien gab, die nach dem damaligen Wissensstand nicht zu erklären waren. Bewusste Manipulationen kommen aber in manchen Fällen auch vor, wenn Betroffene durch das sensationshungrige Umfeld einen Erwartungsdruck spüren und diesen nicht enttäuschen wollen.

Das Interview führte Marcel Görmann

Quelle: rosenheim24.de

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