Kapuziner verlassen Rosenheim

Bruder Marinus im Interview: "Sind Versetzungen gewohnt"

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Rosenheim - Seit über 400 Jahren sind die Kapuziner in Rosenheim. Doch mit dieser Ära ist nun Schluss. Wir haben mit Bruder Marinus gesprochen:

Wie bereits berichtet,verlassen die Kapuziner das Kloster bei der Loretowiese zum Jahresende. Viele User bedauern das. In unserer Pinpoll-Umfrage unter 976 Usern fanden 693 (71 Prozent) den Weggang der Kapuziner schade. 67 User (6,86 Prozent) finden das Abziehen der Kapuziner nicht schlimm, 216 Stimmen (22,13 Prozent) entfielen auf "Ist mir egal".

Doch wie finden das die Kapuziner selbst? Im Interview mit rosenheim24.de stand Provinzialminister Bruder Marinus Parzinger Rede und Antwort:

Frage der Redaktion: Wie lange sind Sie selbst hier in Rosenheim gewesen? 

Bruder Marinus: Ich selber war nicht für längere Zeit im Kloster Rosenheim. Als Novize (1987/88) durfte ich das Kloster besuchen mit zwei Ex-Provinzialen. An die Besichtigung kann ich mich erinnern. In den letzten drei Jahren war ich häufiger zu Gesprächen dort, auch zu Gottesdiensten. Ich mag besonders die Kirche mit ihrer Ausmahlung. Diese Kirche hat eine besondere Atmosphäre. 

Frage: Wie empfinden die Brüder und Schwestern den Weggang, bzw. wie ist generell die Stimmung bezüglich der Auflösung? 

Bruder Marinus: Die letzten Jahrzehnte waren von Reduzierung geprägt, d.h. dass viele Ordensleute aus eigener Erfahrung sprechen können. Eine Auflösung bedeutet, etwas Vertrautes gegen Unbekanntes einzutauschen. Da schwingt Trauer mit, es geht um Abschied. Die Frage, was einen erwartet, wird gestellt. Im Blick auf den neuen Ort gilt es, Kräfte zu bündeln, sich auf die neue Aufgabe auszurichten. Es wird auch diskutiert, ob es nicht eine andere Möglichkeit neben der Auflösung gegeben hätte. Es werden Argumente ausgetauscht, praktische Lösungen gesucht. Und schließlich geht es um einen konkreten Umzug, der zu bewältigen ist. Da gibt es reichlich zu tun, so dass man nicht nur den Gedanken nachhängt. 

Fotogalerie: So sieht das Kloster von innen aus

Frage: Was werden die Brüder und Schwestern von Rosenheim mitnehmen, in materieller und immaterieller Hinsicht? 

Bruder Marinus: Die Schwestern wie Brüder waren über viele Jahre in Rosenheim. Da wachsen natürlich Kontakte, man lernt sich kennen. Das prägt und hinterlässt Spuren. Wenn Schwestern und Brüder gehen, nehmen sie die Erinnerung an Begegnungen mit, sie sind dankbar für die Hilfsbereitschaft der Menschen, die sie erleben durften. Damit es gut weitergehen kann, ist der Abschied wichtig. Bewusst loslassen, danken und auf Gott vertrauen, der unsere Wege mitgeht. Ich bin überzeugt, dass uns hier der offizielle Abschied mit Dankgottesdienst helfen wird. Die Schwestern werden sich am 26. Dezember 2016 verabschieden, die Kapuziner am 22. Januar 2017, jeweils im Gottesdienst um 10.15 Uhr. Neben persönlichen Dingen wird wohl das eine oder andere Bild aus dem Kloster an den neuen Ort mitgenommen. Kapuziner sind – mehr oder weniger – die Versetzung gewohnt. Möbel sind im Kloster vorhanden. So muss nicht der ganze Hausrat umgezogen werden. 

Frage: Haben die Brüder und Schwestern Kontakte in Rosenheim und wollen sie diese weiter aufrechterhalten? Ist vielleicht sogar beabsichtigt, Rosenheim wieder Besuche abzustatten?

Bruder Marinus: Das müssten Sie die Schwestern und Brüder selber fragen. Meine Erfahrung ist, dass Kontakt über größere Entfernungen hinweg nur mit wenigen Menschen dauerhaft gelingt. Man kann telefonieren, mailen usw. Die Erfahrungen und die Erinnerung bleiben. 

Frage: Was wird mit dem Kloster geschehen? 

Bruder Marinus: An einer Lösung wird gearbeitet. Wie bekommt man neues Leben in alte Mauern? Wie wird ein geistlich geprägter Ort weitergeführt, wenn Berufungen rar sind? Darüber wird nachgedacht. Das ist primär in der Hand der Diözese, die Besitzer des Areals ist. Die Lösung wird berücksichtigen was gebraucht wird, hat ihre Begrenzung in dem, was möglich ist.

srs

Quelle: rosenheim24.de

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