Nach dem Zugunglück von Bad Aibling

Überlebender: "Es war totenstill"

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Auf der Hand von Markus M. erkennt man noch wage die Zahl "17", unter der er von den Rettungskräften registriert wurde.

Bad Aibling - Es sind Bilder, die sich keiner von uns vorstellen kann - außer die Überlebenden des verheerenden Zug-Unglücks. Einer von ihnen ist Markus M. In einem Interview erzählt er uns seine Geschichte.

Es ist der Dienstagmorgen des 9. Februars 2016: Um 6.48 Uhr ereignete sich auf der Bahnstrecke zwischen Holzkirchen und Bad Aibling eines der schlimmsten Zugunglücke Deutschlands. Elf Menschen verloren bei dem Drama ihr Leben, unzählige weitere wurden verletzt und einige schweben noch immer in Lebensgefahr. 

Weltweit wurde über die Aiblinger Tragödie berichtet, zahlreiche Aufnahmen gingen durch die Medienwelt. Wie schlimm die Bilder an der Unfallstelle aber wirklich waren, kann sich kaum jemand vorstellen. Außer den Menschen, die selbst von dem schlimmen Meridian-Crash betroffen sind.

Markus M. ist einer von ihnen. Der 37-Jährige pendelte am Dienstag, wie jeden Tag, von Holzkirchen nach Rosenheim. Dort arbeitet er als Vertriebler im Innendienst. Seit Dienstag ist er jedoch krankgeschrieben - zu schlimm waren die Erlebnisse für den Vater einer einjährigen Tochter. Seit dem Horror-Crash kämpft er mit Albträumen und besucht einen Psychologen. Die vielen Gespräche mit seiner Frau und seiner Familie helfen ihm in diesen schweren Stunden. 

Seine Schilderung des Unglücks zeigt deutlich, woher die Albträume kommen: "Der Lokführer hat noch versucht, zu bremsen", erklärt er im Interview mit mangfall24.de. Doch der Aufprall war unvermeidbar: "Es gab einen irren Knall. Die Lichter knallten von der Decke herunter." Markus schildert, dass ein Mensch und mehrere Gegenstände über ihn hinweggeflogen seien: "Es war, als würden Gummibälle durch die Luft fliegen."

Geistesgegenwärtig kroch er zu der Tür, die bereits offen stand: "Ich habe mich einfach rausfallen lassen, der Waggon lag quer", lässt er seinen Ausstieg aus dem verunglückten Zug Revue passieren. Er lag auf der Waldseite der Zug-Wracks, es war nur ein Rascheln der Blätter zu hören: "Es war totenstill, das war das Schlimmste." Links von ihm lag ein durchtrennter Körper. 

Die Schreie der Passagiere setzten erst nach zwei bis drei Minuten ein - Markus M. schiebt dies auf die Adrenalin-Ausschüttung. Als diese abgeklungen war, schrien und stöhnten die Verletzten vor Schmerzen. Er bahnte sich einen Weg zurück in den Meridian-Zug, wollte anderen Fahrgästen helfen. Er sah einen Mann, der eingequetscht war, wollte ihn befreien. Ein anderer Betroffener hielt ihn davon ab: Mitten im Zug lag die Hochspannungsleitung - ein erneutes Betreten schien zu gefährlich. Der Passagier, der ihn abhielt, rief die Polizei. 

Nach rund 15 Minuten war bereits ein Großaufgebot an Rettungskräften an der Unfallstelle. Markus M. weiß, welch großartigen Job die Einsatzkräfte an diesem Tag geleistet haben: "Sie waren Engel!" Auch den Polizisten möchte er danken, denn "sie haben uns da rausgeholt." Über sich selbst sagt der bescheidene 37-Jährige: "Ich war da absolut kein Held."

Nach den lobenden Worten für die Rettungskräfte findet Markus M. aber auch noch ganz klare Worte über den YouTube-Filmer, der die ersten Minuten nach dem Zugunglück mit der Handy-Kamera festhielt und den Mitschnitt anschließend ins weltweite Netz stellte: "Dieses Video ist eine Sauerei!" Er selbst sei wohl auf dem Film zu hören. "Der Filmer hätte dieses Video wenigstens der Polizei zur Auswertung geben können", regt sich der 37-Jährige zurecht auf.

Bettina Pohl

Alle Informationen und Berichte zu dem dramatischen Unglück finden Sie auf unserer Themenseite

Quelle: rosenheim24.de

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