Elf Tote bei Zug-Katastrophe bei Bad Aibling

Bergung geht weiter - Dritte Blackbox beschädigt, aber lesbar

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Bad Aibling - Zwei Tage nach dem schrecklichen Zug-Unglück gab es am Donnerstag ein weiteres Todesopfer zu beklagen. Die Zahl der Opfer stieg damit auf elf. Die dritte Blackbox ist inzwischen gefunden. Und die Ermittler scheinen auch der Ursache näher zu kommen:

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Das Wichtigste im Überblick:

>> Am Dienstag um 6.48 Uhr sind zwei Züge des Meridian auf eingleisiger Strecke zwischen Kolbermoor und Bad Aibling (Kreis Rosenheim) kollidiert. 

>> Insgesamt elf Menschen starben, rund 80 wurden verletzt 

>> Acht der elf Opfer stammen aus dem Landkreis Rosenheim

>> Die Bahnstrecke zwischen Holzkirchen und Kolbermoor ist auf unbestimmte Zeit gesperrt

>> Einige Opfer befinden sich immer noch in einem kritischen gesundheitlichen Zustand

Bilder von der Bergung der verkeilten Zugteile am Freitag

Die Entwicklungen am Freitag:

>>>AKTUALISIEREN<<<

+++ 16.38 Uhr: Laut Informationen des "Münchner Merkur"ist auch die dritte Blackbox, die am heutigen Vormittag gefunden wurde, lesbar. Sie könnte entscheidend zur Aufklärung des Unfallherganges beitragen.

Schon seit Tagen fragen sich viele, wieso bei zwei Zügen eigentlich drei Blackboxes zu finden sein müssten. Die Antwort ist simpel: Bei dem Unfall stießen zwei Meridian-Züge gegeneinander. Einer hatte drei, der andere sechs Waggons. Ein einspänniger Zug (drei Waggons) hat eine Blackbox, zweispännige mit sechs Waggons haben zwei Blackboxen, macht in der Summe drei.

+++ 16.09 Uhr: Bei dem schrecklichen Unglück am Dienstag starb auch ein Mann aus dem Landkreis Spree-Neiße. Eine Freundin der Witwe hat anschließend eine Facebook-Seite ins Leben gerufen, um Spenden zu sammeln. "So ein Schicksalsschlag reißt ein großes Loch in eine bisher heile und intakte Familienwelt, besonders auch in finanzieller Hinsicht", schreibt sie in einem berührenden Appell.

+++ 15.30 Uhr: Auch Markus M. saß am Dienstag in einem der Unglückszüge. Er hat nun seine Eindrücke gegenüber unserer Redaktion geschildert. Geistesgegenwärtig kroch er nach dem brutalen Aufprall zu einer offenen Tür und ließ sich hinaus auf den Waldboden fallen. Alles weitere dazu in unserem Extra-Artikel!

+++ 14.50 Uhr: Am Dienstag, 16. Februar, treten die Eishockeyteams des EHC Bad Aibling und der Starbulls Rosenheim zu einem Benefizspiel gegeneinander an. Das Spiel wird um 19 Uhr in der Eishalle in Bad Aibling ausgetragen. Die Aiblinger verstärken sich für dieses Spiel mit dem ehemaligen Starbulls-Kapitän Stephan Gottwald. Neben den Eintrittsgeldern gehen auch die gesamten Einnahmen aus dem Speisen- und Getränkeverkauf an die Hinterbliebenen des Zug-Unglücks!

+++ 14.40 Uhr: Die zweite Blackbox ist ausgewertet! "Es konnten keine Hinweise auf Missachtung von Signalen festgestellt werden", berichtete ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums mit Blick auf die Datenspeicherkassette desjenigen Zuges, der von Rosenheim nach Holzkirchen unterwegs war. Der eine der beiden Fahrtenschreiber des Gegenzuges sei ebenfalls bereits ausgewertet worden. "Daraus können keine Erkenntnisse auf die Handlungen des Triebfahrzeugführers gewonnen werden."

Indes wollte eine Polizeisprecherin den Bericht des Spiegels weder bestätigen noch dementieren: "Wir wissen es schlicht nicht!"

+++ 14.10 Uhr - Eilmeldung: Wie der Spiegel soeben berichtet, soll ein Fahrdienstleiter im Stellwerk Bad Aibling den Todes-Crash im letzten Moment noch durch zwei Notrufe zu verhindern versucht haben. Dazu soll er laut Spiegel ein spezielles Mobilfunknetz der Bahn mit einer Notruffunktion benützt haben.

Der erste Anruf soll einen der beiden Lokführer wohl kurz vor dem Unfall erreicht haben, der zweite erfolgte wohl erst, als es bereits zu spät war und die beiden Züge mit hoher Geschwindigkeit ineinander geprallt waren. Wie ein Sprecher des Eisenbahn-Bundesamtes dem Spiegel sagte, sei der Zugfunkverkehr ebenfalls Bestandteil der Ermittlungen.

+++ 13.20 Uhr: Die dritte Blackbox ist beschädigt. Das hat das Bundesverkehrsministerium inzwischen bestätigt. Dennoch ist auch der dritte Fahrtenschreiber zur Auswertung gebracht worden. Aktuell werde versucht, die Daten auszulesen.

Die Bergungsarbeiten gehen indes recht gut voran. Im Laufe des Freitags sollen die Triebköpfe langsam abtransportiert werden, am Samstag sollen laut Polizei dann "noch Kleinteile" weggeräumt werden. Wenn dann Gleisbett und Oberleitung wieder repariert sind, soll es noch eine Testfahrt geben, bevor die Strecke - vermutlich nächste Woche - wieder freigegeben wird.

+++ 12.20 Uhr: Auch am Freitagmittag kämpfen einige schwerstverletzte Opfer noch um ihr Leben. "Einige Patienten sind noch nicht über den Berg und befinden sich in kritischem Zustand", bestätigte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd soeben auf Anfrage von mangfall24.de.

+++ 12.15 Uhr: Der Münchner Merkur berichtet, dass die am Vormittag gefundene dritte Blackbox offenbar stark beschädigt gewesen sein soll. Experten wollen laut der Zeitung aber trotzdem versuchen, die Daten auszulesen.

+++ 12.10 Uhr: Statement Transdev Pressestelle: Nach Aussage vom Infrastrukturbetreiber DB Netz ist derzeit nicht abzusehen, wie groß die Schäden an der Infrastruktur sind und wie lange die Reparaturarbeiten dauern werden. Zwischen Rosenheim und Holzkirchen wurde ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Der SEV-Fahrplan wird unterwww.der-meridian.de eingestellt und regelmäßig aktualisiert.

+++ 12.00 Uhr: Die persönlichen Gegenstände, die die Passagiere im Zug verloren oder zurückgelassen haben konnten am Donnerstag, zwischen 13 und 16 Uhr, und am Freitag, zwischen 9 und 12 Uhr, bei der Turnhalle der Freiwilligen Feuerwehr Kolbermoor (Hasslerstraße 4) abgeholt werden. Ein Helfer vor Ort teilte unserer Reprterin mit,dass etwa 60 Fundsachen dort gelagert wurden und bisher knapp 2/3 der Dinge abgeholt wurden.

+++ 11.20 Uhr: Warum sind genau drei Blackboxen in den Unglückszügen verbaut? Immer mehr Anfragen erreichen diesbezüglich unsere Redaktion. Viele Leser gingen offenbar bis dato davon auf, dass die beiden Unglückszüge identisch waren. Das ist jedoch nicht der Fall.

Beide Fahrzeuge sind zwar Triebwagen des Typs Stadler Flirt 3. Der Zug mit der Nummer 79505, der von Holzkirchen Richtung Rosenheim fuhr, war jedoch ein sechsteiliges Modell; der Zug mit der Nummer 79506, der von Rosenheim Richtung Holzkirchen fuhr, war dagegen nur dreiteilig. Im sechsteiligen Zug waren zwei Blackboxen verbaut, im dreiteiligen jedoch nur ein Fahrtenschreiber. Das hat ein Eisenbahn-Experte gegenüber unserer Redaktion bestätigt.

+++ 11.08 Uhr: Ein Gutachter hat laut N24 den Fahrtenschreiber an sich genommen und beginnt nun zusammen mit seinen Kollegen mit der Auswertung.

+++ 10.45 Uhr - Eilmeldung: Der Fernsehsender N24 berichtet, dass soeben angeblich die dritte Blackbox an der Unfallstelle gefunden worden wäre. Offiziell bestätigt ist das jedoch noch nicht. Auch ein User schrieb unserer Redaktion, dass der Fahrtenschreiber soeben entdeckt und geborgen worden wäre.

+++ 10.36 Uhr: Die Aufräumarbeiten vor Ort laufen weiter auf Hochtouren. Inzwischen stehen bzw. liegen nur noch die beiden Triebköpfe der Unglückszüge an der Unfallstelle. Die Bergungskräfte sind mit einem Kran und einem Bagger im Einsatz. Es sieht wohl alles danach aus, dass die letzten Wracks noch im Laufe des Tages abtransportiert werden können.

+++ 9.05 Uhr: Wie das zuständige Ordinariat soeben mangfall24.de mitteilte, wird der Gedenkgottesdienst, der am Sonntag um 16 Uhr in der Pfarrkirche St. Georg stattfindet, live im Bayerischen Fernsehen übertragen.

+++ 8.50 Uhr: Die Bergungsarbeiten wurden am Morgen fortgesetzt. Gegen 8 Uhr seien die Kräfte vor Ort eingetroffen und machten sich anschließend sofort wieder an die Arbeit, hieß es von der Unfallstelle.

+++ 8.20 Uhr: Duplizität der Ereignisse: Bereits vor 71 Jahren gab es nahezu an derselben Stelle auf der Bahnstrecke zwischen Bad Aibling und Kolbermoor ein schweres Zug-Unglück.

Wie der Mangfallbote am Freitag schreibt, stießen am 28. Mai 1945 gegen 23 Uhr bei Kilometer 29,5 ein mit ehemaligen Wehrmachtssoldaten besetzter Militärzug, der aus Rosenheim kam, und ein Leerzug, aus Richtung Holzkirchen kommend, zusammen. Die Unfallstelle vom Faschingsdienstag liegt bei Kilometer 30,3.

Bei dem Unfall 1945 starben fünf Soldaten. Vier davon wurden in Bad Aibling beerdigt, so die Zeitung weiter. Es gab zudem zahlreiche Verletzte, als ein Großteil der Waggons der beiden Züge entgleisten und ineinander geschoben wurden. Die Loks wurden damals anscheinend nur relativ leicht beschädigt.

Als Unglücksursache nennt die Zeitung defekte Fernmelde- bzw. Fernsprechleitungen zwischen Kolbermoor und Bad Aibling. Deswegen sei keine Verständigung zwischen den beiden Bahnhöfen möglich gewesen und die Fahrt sei deshalb "auf Sicht" durchgeführt worden.

Noch schwerer war die Katastrophe wenige Wochen später am 16. Juli 1945 bei Grafing. Bei Oberelkofen war ein mit US-Panzern beladener Güterzug auf einen stehenden Zug aufgefahren. 105 deutsche Kriegsgefangene, die in den zum großen Teil fensterlosen Waggons auf dem Boden saßen und auf dem Weg ins Rheinland waren, und ein amerikanischer GI starben.

+++ 7.44 Uhr: Am Donnerstag sind hunderte Menschen dem Aufruf zum Kondolieren nachgekommen und haben am Rathaus in Bad Aibling weitere Blumen und Kerzen niedergelegt.

+++ 7.08 Uhr: n-tv berichtet, dass Feuerwehr und THW bei der Bergung der Zug-Wracks am Donnerstagabend einen entscheidenden Schritt vorangekommen seien. Wenn alles nach Plan liefe, könnten die völlig deformierten Triebköpfe bereits am Nachmittag vom Gleis geschafft werden. Anschließend müssen Gleisbett und Oberleitung repariert werden.

+++ 7.00 Uhr: Die schwierige Bergung der Trümmer sowie die Suche nach der Ursache des Zugunglücks von Bad Aibling stehen an diesem Freitag weiter im Mittelpunkt. Am Donnerstagabend hatten die Experten die Aufräumarbeiten zunächst erneut unterbrochen. Nach der dritten Blackbox wird weiterhin gesucht.

Parallel dazu ermittelt die Sonderkommission der Polizei weiterhin mit Hochdruck bezüglich der Unglücksursache.

Bilder von der Bergung der verkeilten Zugteile am Donnerstag

+++ 6.35 Uhr: Wie die Bild-Zeitung am Freitagmorgen berichtet, sei Bahnbetreiber Meridian verpflichtet, "unverzüglich, d.h. spätestens nach 15 Tagen, 21.000 Euro an die Angehörigen der insgesamt elf Toten zu zahlen. Fällt durch einen Todesfall z.B. der Ernährer der Familie weg, kann unter Umständen eine Summe von 600.000 Euro fällig werden. Dies gilt aber wohl nur für den Fall, sofern der Bahn ein Verschulden am Unglück nachgewiesen werden kann. Dies erklärte ein Experte für Verkehrshaftung der Bild-Zeitung.

Bei den Verletzten ist die Entschädigung komplexer. "Die Höhe des Schmerzensgelds wird individuell berechnet. Sie richtet sich unter anderem nach der Schwere der Verletzung, Dauer des Verdienstausfalls und der Art möglicher bleibender Schäden", so ein Rechtsanwalt gegenüber der Bild.

+++ 6.20 Uhr: Nachdem ein weiteres Opfer am Donnerstag im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen war, gilt das Unglück nun als schlimmste Eisenbahnkatastrophe seit Eschede im Jahr 1998, als 101 Menschen gestorben waren. Neben den Todesopfern sind nach Stand vom Donnerstag zudem 20 Schwerverletzte und 62 Leichtverletzte zu beklagen.

mw

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