Dicke Luft in der Reisebranche

Neues EU-Gesetz – So teuer wird das Urlauben

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Landkreis - Wer gern Reisen bucht, weiß das Engagement der Reisebüros zu schätzen. Wer sich vom Hotelier oder Vermieter den Tisch zum Abendessen reservieren lässt oder die Tickets zum Salzbergwerk freut sich auch darüber. Aber genau hier lauert zukünftig die Gefahr:

Wer kennt das nicht – Der wohlverdiente Jahresurlaub steht an, der freundliche Vermieter schickt gleich noch die Tickets für das Salzbergwerk oder das Haus der Berge mit, damit man als Gast schon während der Anreise das erste Highlight genießen darf. Und dann passiert es:

Der Urlauber rutscht auf der Treppe zum Bergwerk aus, wirft die vielzitierte Ming-Vase im Museum um, oder verletzt sich oder einen Dritten, bzw. etwas anderes passiert unvorhergesehen.

"Damit haben wir Hoteliers, Ferienwohnungsbetreiber, oder Privatvermieter nichts zu tun...", mag das Gros der Vermieter irrtümlich annehmen. Weit gefehlt liebe Vermieter, liebe Hoteliers und auch liebe Tourismusverbände! Wer glaubt, dass man mit der Übergabe der Tickets aus dem Schneider sei, hat sich schwer getäuscht

Kommt das neue EU-Gesetz wirklich in Kraft, dass eigentlich bereits durchgewunken schien und nun tatsächlich kurz vor der endgültigen Entscheidung steht, dann kann es in so einem Fall zukünftig richtig teuer werden. „Hat der Vermieter, der Hotelier oder der Tourismusverband die Tickets für den Gast gebucht“, soPetra Killian vom Reisebüro Team-Airservice, „dann haftet er zukünftig auch im Falle eines Falles. Mit dem neuen Gesetz wird der zuvorkommende Vermieter, der seinem Gast einfach nur etwas Gutes tun wollte und die gewisse Portion Extraservice seinen Gästen zu Teil werden lassen möchte, auch schnell einmal, ohne es zu wissen, zur haftenden "Eventagentur". Zumindest, wenn die Zusatzleistung 25% des Übernachtungspreises übersteigt. Und das ist schnell erreicht. ( Beispiel: 1 Übernachtung für 100,- Euro - 1 Skipass für 30 Euro und schon schnappt die Falle für die Vermieter zu! ) 

Diese stehen sich prinzipiell gut, wenn sie sich durch den Abschluss diverser Versicherungen vor Regressforderungen schützen. Aber solche Versicherungen sind teuer und das ist auch noch nicht alles, was einem Großteil der Reisebüros und auch den Vermietern derzeit blüht, ihnen aber in keinster Weise bewusst ist. Geschweige denn den Urlaubern, denn für die wartet die Gesetzesänderung auch noch mit ein paar teuren und zeitaufwendigen Fallstricken auf. 

Neues EU Gesetz zum Nachteil von deutschen Urlaubern 

Wie kommt es überhaupt zu dem neuen Gesetz? Das bis dato gültige eher verbraucherfreundliche Reiserecht muss an die Richtlinie (EU)2015/2302 angepasst werden. Dass auf viele EU Regularien häufig geschimpft wird und diese oftmals einen überaus realitätsfernen Bezug zum Markt und den Verbrauchern haben, ist nichts Neues. Ebenfalls auch nicht neu ist, dass diese Regularien ein Grund für die Politikverdrossenheit vieler EU-Bürger sind, die mit der politischen Umsetzung der Europäischen Union absolut nicht mehr zufrieden sind.

So teuer kann der Urlaub auf einmal werden

Nach der neuen Richtlinie kann zukünftig bis zu 20 Tage vor Reiseantritt ein Mehrpreis bis zu 8% für „gestiegene Kosten“ verlangt werden. Hat also zum Beispiel eine Familie für 4.000,- Euro eine Reise gebucht, könnte der Reiseveranstalter bis zu 320,- Euro mehr verlangen. Der Kunde hat keine andere Wahl, als die Verteuerung zu bezahlen. Ein kostenfreies Rücktrittsrecht besteht nur bei Verteuerungen die mehr als 8% Preissteigerung betragen. 

Aber auch dann ist fraglich, ob der Verbrauer 20 Tage vor Abreise überhaupt noch eine gleichwertige Ersatzreise findet. Gerade Familien müssen langfristig planen und buchen. 

Das ist noch nicht alles

Und noch ein weiterer bisher gültiger Schutz der Verbraucher wurde massiv eingeschränkt. Einzelleistungen, wie Hotelübernachtungen oder Ferienwohnungen fallen zukünftig nicht mehr unter den Schutz des Reiserechts. Verlegt der Vermittler der Einfachheit halber den Gerichtsstand ins Ausland, würde dieses Prozedere bei Regressansprüchen größte Schwierigkeiten für die Verbraucher bedeuten. Außerdem entfällt der Insolvenzschutz für diese Einzelleistungen. Das bedeutet, dass die Zahlungen der Kunden nicht mehr vor Insolvenzen geschützt sind. Für Reisebüros (betrifft online & offline Vertrieb) bringt nicht nur der bürokratische Aufwand Schwierigkeiten mit sich, sondern es stellen explizit die Regelungen über Insolvenzversicherung und Veranstalterhaftung eine wahrhaft existenzielle Bedrohungen dar.

Der Charme einer Steuererklärung

Vor jeder Reisebuchung muss sich der Kunde entscheiden, ob er eine Pauschalreise, oder sogenannte „verbundene Reiseleistungen“ (verschiedene Reisebausteine) buchen will. Bei Buchung müssen die Reisevermittler/Reisebüros eines von sieben verschiedenen gesetzlich vorgeschriebenen Formblättern erklären und dem Kunden zur Unterschrift aushändigen. Dadurch bekommt eine Reisebuchung in etwa den Charme einer Steuererklärung

Werden die Formulare nicht korrekt ausgehändigt, oder entscheidet sich der Kunde für verbundene Reiseleistungen, verändert sich die Haftung der Reisebüros. Sie haften dann unter Umständen. wie ein Reiseveranstalter, obwohl ein anderer Reiseveranstalter die Verträge mit dem Hotel oder ähnlichem abgeschlossen hat. Gegen diese Haftungsrisiken könnten nur sehr teure Versicherungen schützen. Das widerum wird Auswirkungen auf die Reisepreise haben wird, oder vom Reisebüro gar nicht erst getragen werden können

Viele Reisebüros werden dadurch nicht mehr unabhängig beraten können, sondern nur noch innerhalb risikoarmer Haftungsgrenzen tätig sein. Etliche andere Reisebürounternehmer werden wegen der sehr teuren Versicherungen und Risiken ihren Betrieb vollkommen einstellen müssen. Der Wegfall vieler Reisebüros trägt nicht nur zur Verödung von Innenstädten bei, sondern bedeutet auch den Verlust von Gewerbesteuereinnahmen und tausender qualifizierter Arbeitsplätze. „All diese Punkte sind weder für den Urlauber, noch für Reisebüros hinnehmbar“, so die Reisebüro Inhaberin und Vorsitzende des VUSR (Verband unabhängiger selbständiger Reisebüros e.V.) Marija Linnhof,. „Daher wurde am 22.11.2016 eine Petition auf der Internetseite des deutschen Bundestages gestartet, die von jedem der gegen diesen Bürokratiewahnsinn ist, unterzeichnet werden kann. Alternativ ist die Abgabe der Stimme auch in jedem Reisebüro möglich“, so Linnhoff weiter.

Was die hiesigen betroffenen Vermieter und Gemeinden zu diesem Gesetz sagen und welches Feedback von den großen Verbänden zu diesem Gesetz abgegeben wurde, lesen Sie in den kommenden Tagen auf BGLand24.de.

Quelle: BGland24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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