Entscheidung nach hitziger Debatte

"Alternativlos": Discounter ziehen auf Wagings grüne Wiese

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Waging - Die Frage war hoch umstritten und umkämpft: Sollen sich Rewe und Rossmann vor den Toren Wagings an der Ottinger Straße ansiedeln? Nun stimmte die Gemeinde zu. Wir haben alle Details:

"Das ist alternativlos", fasste Bürgermeister Herbert Häusl seinen Standpunkt in einer hitzigen Debatte zusammen - und die Mehrheit des Gemeinderates folgte ihm am Donnerstagabend: Mit 12:7 Stimmen wurde der Ansiedlung von Rewe und dem Drogeriemarkt Rossmann an der Ottinger Straße zugestimmt. Seit vielen Monaten wurde die Frage in Waging heiß diskutiert.

Die Fakten

- Standort: An der Ottinger Straße neben dem Baugeschäft Lamminger

- Fläche: Gut 10.000 Quadratmeter stehen den beiden Märkten zur Verfügung. Rewe erhält eine Verkaufsfläche von bis zu 1450 Quadratmeter, Rossmann von bis zu 800 Quadratmeter.

- Arbeitsplätze: Rewe rechnet mit 30 bis 35 Arbeitsplätzen in seiner Filiale, Rossmann mit zehn bis 15 - davon wohl viele Mini- und Teilzeitjobs.

- Parkplätze: Für die beiden Märkte werden 100 bis 110 Stellplätze gebaut.

- Nachfrage: In einer Marktanalyse sprachen sich 45 Prozent der Waginger für einen Drogeriemarkt aus, 54 Prozent sahen keinen Bedarf an neuen Märkten.

Gut oder schlecht für die kleinen Läden?

Das rote X markiert den Standort an der Ottinger Straße, wo sich die Discounter wohl 2018 ansiedeln werden.

Kern der Debatte war die Frage, ob das Ortszentrum unter der Ansiedlung leiden wird: "Wir haben viele Standorte geprüft. Aber die Vorgaben der Konzerne sind so hoch, dass sich das innerorts nicht umsetzen lässt", so Häusl. Nach der Schließung der Schlecker-Filialen war für Waging vor allem ein neuer Drogerie-Markt wichtig. Doch eine der Bedingungen von Rossmann war ein gemeinsamer neuer Standort mit dem Rewe-Markt - und der ließ sich nur an der Ottinger Straße finden. 

"Die Voraussetzung, dass auch in den kleinen Geschäften im Ortskern eingekauft wird, sind große Discounter - das haben auch die Untersuchungen gezeigt. Sonst fahren die Leute gleich ganz wo anders hin", meinte Bürgermeister Häusl. "Es wird doch keiner glauben, dass noch wer ins Zentrum fährt, wenn es auf der einen Seite den Lidl und auf der anderen Seite den Rewe gibt", meinten dagegen andere. 

Vier bis fünf Millionen Euro Umsatz braucht Rewe

Viele der Gemeinderäte rangen mit sich selbst: "Mir fällt die Entscheidung ganz schwer. Die beiden Märkte ziehen wieder mehr Leute aus dem Umland nach Waging, aber die Geschäfte im Ortskern werden verlieren", so zum Beispiel Georg Huber. Die nächsten Drogeriemärkte sind in Traunstein, Traunreut, Laufen oder Freilassing. Schorsch Seehuber gab zu Bedenken, dass es allein am Verbraucher liegt: "Er wird über die Überlebensfähigkeit des Zentrums entscheiden."

Was wenn die beiden Discounter nicht genug Umsatz machen? Auch das war eines der vielen Bedenken. Vier bis fünf Millionen Euro Umsatz muss beispielsweise Rewe jährlich haben um profitabel zu sein. Nach einer Marktanalyse gibt es in Waging selbst knapp zwei Millionen Euro an "freiem Marktpotenzial" für einen Lebensmittelmarkt. "Was wenn der Laden nicht läuft? Vielleicht ziehen sie dann auch noch die Post raus? Und wenn es dann immer noch nicht läuft wird zugesperrt und der Bau steht leer", so Konrad Heigermoser. 

Eröffnung 2018?

Rewe plant derzeit, dass die Filiale von einem örtlichen Betreiber geführt wird - was gut für die Gemeinde wäre, "sonst sehen wir keine Gewerbesteuer", so Geschäftsleiter Röckenwagner. Im Herbst 2017 könnte mit dem Bau der beiden Märkte begonnen werden, eine Eröffnung wäre dann 2018 möglich

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xe

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © Fotomontage pa

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