400.000 Euro investiert

Hitzige Diskussionen über Wegezustand im Nationalpark Berchtesgaden

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Michael Grießer (Mitte), Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt, informierte sich anlässlich der jährlichen „Versammlung zur Erholungsnutzung im Nationalpark“ bei Nationalpark-Mitarbeiterin Elke Zeitler (l.) und Ulf Dworschak (r.), Leiter des Sachgebiets Naturschutz und Planung, über das neue Kletterkonzept.

Berchtesgaden - „Müssen wir die Wege im Nationalpark dem Können der Bergwanderer anpassen, oder sollten sich die Wanderer vor einer Tour besser überlegen, welche Wege für ihr Können geeignet sind?“

Diese Frage stellte Nationalpark-Wegereferent Lorenz Köppl den Teilnehmern der traditionellen „Herbstversammlung zur Erholungsnutzung“ im Nationalpark. 38 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Vereinen, Verbänden, Gemeinden, öffentlichen Einrichtungen sowie Privatpersonen waren der Einladung der Nationalparkverwaltung ins Berchtesgadener Nationalparkzentrum „Haus der Berge“ gefolgt.

Knapp 400.000 Euro und 7.500 Arbeitsstunden hat die Nationalparkverwaltung 2016 in den Erhalt der Wege und Steige rund um Königssee und Watzmann investiert.

Streitpunkt: "Saugasse"

Nicht immer an der richtigen Stelle, befanden führende Mitglieder der Sektion Berchtesgaden des Deutschen Alpenvereins (DAV). „Die Saugasse ist ein Armutszeugnis“, schimpfte Bernhard Kühnhauser. „Hier wird viel gegangen, da muss man auch viel machen“, beschwerte sich der Sektions-Geschäftsführer.

Tatsächlich ist der Zustand des Weges vom Königssee zum Funtensee schon oft Diskussionsgrund gewesen. Wegereferent Köppl hielt dagegen: „Dieser Weg wurde gemeinsam mit der DAV-Sektion Berchtesgaden als Kategorie Rot klassifiziert. Das bedeutet „mittelschwerer Steig“, der schmal und steil angelegt ist und auch kurze absturzgefährliche Passagen haben kann. Dieser Einstufung entspricht die Saugasse.“ Und Nationalpark-Sachgebietsleiterin Kathrin Rinneberg ergänzte: „Der Weg ist in einem sicheren Zustand, es gibt lediglich einzelne, kurze Stellen, die sanierungsbedürftig sind und die wir uns noch vornehmen werden. Genau so haben wir es bei einem gemeinsamen Begang mit dem DAV im heurigen Frühjahr schriftlich fixiert.“

Arbeitsschwerpunkte falsch gesetzt?

Doch das ging Beppo Maltan, Vorsitzender der DAV-Sektion Berchtesgaden, nicht weit genug. Er sah die Arbeitsschwerpunkte der Nationalparkverwaltung falsch gesetzt: „Die Sanierung der Gotzenstraße war nicht notwendig.

Stattdessen hätte man sich um andere, wichtige Wege wie die Saugasse kümmern müssen“. Lorenz Köppl konterte: „Wir befinden uns im Gebirge. Da muss man als Wanderer in der Lage sein, auch mal über einen losen Stein drüberzusteigen.“

Dr. Michael Vogel, Leiter der Nationalparkverwaltung, glättete abschließend die Wogen: „Auch in dieser Angelegenheit werden wir eine Lösung finden, mit der alle Beteiligten leben können und die vor allem im Sinne der Besucher des Nationalparks ist.“

Skitouren gehen, Wandern und Bergsteigen liegen im Trend, wie Stefan Winter vom DAV-Hauptverband in München in seinem Vortrag überNeuigkeiten und Trends im Bergsport“ unterstrich.

Der Leiter des Ressorts Breitenbergsport informierte außerdem gemeinsam mit Wegereferent Köppl über eine Besucherzählung am Watzmanngrat in den Jahren 2015 bis 2016. Demnach überschritten zwischen 18. Juli 2015 und 17. Juli 2016 insgesamt 6.728 Bergsteiger den Watzmann, bis zum 27. September 2016 waren es insgesamt 9.873 Personen. Besucherstärkster Tag war Samstag, der 3. September 2016 mit insgesamt 286 Überschreitern. „Die Watzmannüberschreitung wird im kommenden Jahr von unseren eigenen Mitarbeitern aufwändig saniert“, erläuterte Köppl die Pläne der Nationalparkverwaltung für 2017.

Bericht der Nationalpark-Förster

Die drei Nationalpark-Förster Matthias Hofbeck, Hans Neubauer und Werner Vogel stellten die erfolgten und geplanten Arbeiten in ihren Revieren vor. Schwerpunkte waren die Sanierung der Wege und Steige sowie Verkehrssicherungsmaßnahmen und die Beobachtung der Borkenkäfer-Entwicklung.

Im Revier Hintersee ist die Sanierung des Hochwasserschutz-Dammes am Klausbach auf rund 800 Metern abgeschlossen. Insgesamt soll der Damm vier Kilometer lang werden, die Arbeiten werden 2017 fortgesetzt.

Abschließend informierte Nationalpark-Mitarbeiterin Elke Zeitler über das neue Kletterkonzept, eine freiwillige Vereinbarung zwischen dem Nationalpark und mehreren Vereinen, Verbänden und Interessensgruppen, die eine naturverträgliche Ausübung des Klettersports im einzigen Alpen-Nationalpark Deutschlands sicherstellen soll.

Pressemitteilung Nationalpark Berchtesgaden

Quelle: BGland24.de

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